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Thema: Umwelt + Verkehr

Flächen dringend gesucht GRÜNE informieren sich über Landwirtschaft in Dortmund

Pressemitteilung

Auf einem Besuch beim Lernbauernhof Schulte-Tigges in Derne informierte sich die GRÜNE Ratsfraktion über die Situation der Landwirte in Dortmund.

Im Gespräch mit Dirk Liedmann vom Team Kornkammer Haus Holte, der seit 1987 Kartoffeln und Getreide nach den Richtlinien des Biolandverbandes anbaut, Nils Frielinghaus, einem der letzten Milchbauern in Dortmund, Mitgliedern des Vereins Solidarische Landschaft (Solawi) Kümper Heide und Elmar Schulte-Tigges, Bauernhofpädagoge und Betriebsinhaber des Lernbauernhofes, erfuhren die Ratsfrauen und –männer viel über verschiedene landwirtschaftliche Modelle.

„Die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Dortmund wird von Jahr zu Jahr kleiner. Neue Flächen sind kaum mehr zu bekommen. Werden alte Höfe aufgelöst und die Flächen zur Pacht oder zum Verkauf ausgeschrieben, werden schnell Preise aufgerufen, die sich die Dortmunder Bauern nicht leisten können“, weiß Dirk Liedmann zu berichten. Auch Nils Frielinghaus kennt das Problem. 200 Milchkühe hält der Diplom-Agraringenieur derzeit auf seinem Hof, den er konventionell bewirtschaftet. Auf seinen insgesamt 110 Hektar, wovon 80 Hektar hauptsächlich privat gepachtet sind, baut er Gras, Mais und Getreide als Futter für seine Rinder an. „Ich versuche, meine Landwirtschaft als geschlossenen Kreislauf zu führen. Das Futter für die Tiere kommt von unseren Feldern und was daraus an Mist und Gülle entsteht, kommt wieder als Dünger auf die Felder.“ Vom Hof leben derzeit sieben Personen, zwei Azubis und ein Angestellter miteingerechnet. „Nur so kann jeder von uns auch mal ein freies Wochenende oder einen Urlaubstag haben. Ohne Angestellte ist man 365 Tage im Grunde rund um die Uhr im Dienst“. Doch jede Arbeitskraft mehr muss erwirtschaftet werden und dafür braucht es jeweils ca. 40 Kühe zusätzlich – und dafür auch wieder die entsprechende Fläche. Dabei weiß er nie, wie lange er mit seinen gepachteten Flächen tatsächlich rechnen kann. „Generationswechsel führen häufig zum Verkauf der Höfe und damit zur Kündigung der alten Pachtverträge“.

Öko-Konto konnte Rückgang nicht stoppen

Dirk Liedmann hat gerade 20 Hektar für Ausgleichsflächen verloren. Weitere gepachtete Fläche ging an die Emscher-genossenschaft zurück. „Das Land wurde für die Renaturierung der Emscher gebraucht. Ein gutes Projekt, aber uns fehlt jetzt Fläche, mit der wir – auch langfristig angelegte Investitionen - geplant haben.“ Liedmann hat auch 45 Hektar von der Stadt Dortmund gepachtet – und hatte Glück, dass diese in einem Naturschutzgebiet liegen und nicht in Kürze als Bauland oder Verkehrsfläche ausgewiesen werden. „Die Stadt schließt in der Regel einjährige Pachtverträge ab. Damit will sie flexibel bei der Nutzung städtischer Flächen bleiben. Das ist für die landwirtschaftliche Planung, die immer langfristig sein muss, nicht praktikabel.“

Positiv bewerten beide Landwirte das 2006 in Dortmund eingeführte Modell des Öko-Kontos. Damit sollte für den ökologischen Ausgleich von Landschaftseingriffen eine neue Form der Kooperation mit der Landwirtschaft umgesetzt werden. Ziel war es, auch eine naturverträgliche Landbewirtschaftung als ökologischen Ausgleich für Siedlungs-, Gewerbe- oder Verkehrsflächen anzuerkennen. 1,5 Hektar bewirtschaften Liedmann und Freilinghaus seit zehn Jahren im Rahmen des Öko-Kontos. Die Auflagen - wie feste Mähzeitpunkte, kein Maisanbau oder nur eine gewisse erlaubte Düngemenge - befürworten beide. Als Gegenleistung erhalten die Landwirte langfristigere Pachtverträge mit ermäßigtem Pachtzins. Das Projekt konnte den stetigen Rückgang der landwirtschaftlichen Nutzfläche jedoch nicht stoppen. Nach Ansicht der Landwirte liegt dies vor allem an dem komplizierten Punktesystem und der Tatsache, dass beispielsweise ein Wald als Ausgleichsfläche deutlich mehr Punkte bringt, als landwirtschaftlich genutztes Grünland. „Auch die Verwaltung ist schon 2013 zu dieser Erkenntnis gekommen. Möglicherwiese könnten einige Stellschrauben in dem Konzept neu justiert werden, um den Erhalt landwirtschaftlicher Flächen mit dem Instrument tatsächlich zu fördern“, so Matthias Dudde, GRÜNES Mitglied im Umweltausschuss. Dazu werde man in jedem Fall Gespräche mit der Verwaltung führen. In dem Zusammenhang wollen die GRÜNEN auch die Ausgestaltung der städtischen Pachtverträge mit den Landwirten nochmal unter die Lupe nehmen.

Den Erzeuger finanzieren, statt die Möhre zu kaufen

Einen anderen Weg zur wirtschaftlichen Sicherung kleinbäuerlicher Betriebe geht der Verein „Solawi Kümper Heide“, der sich 2014 gegründet hat und bei Elmar Schulte-Tigges ein offenes Ohr für die neue Idee fand. Rund 1,2 Hektar Land seines Hofes stellt er der Solawi zur Verfügung und bewirtschaftet sie mit zwei Gärtnern und mit Hilfe der Vereinsmitglieder. Der Ertrag geht mittlerweile an rund 150 Haushalte. Das Konzept: jeder bezahlt seinen ausgerechneten Teil des Budgets, das nötig ist, um die landwirtschaftliche Produktion im nächsten Jahr zu sichern. Kernpunkt ist die gemeinsame Übernahme von Risiko, Verantwortung und Kosten. Dafür erhält jeder wöchentlich seinen Anteil am gesamten Ernteertrag, auch mal drei Wochen hintereinander einen großen Teil Mangold oder – wie jetzt – Zucchini. Hinzukommen gemeinsame Arbeitsstunden auf Feld und Hof, denn bei dem Projekt geht es auch darum, ein Bewusstsein für Herkunft und Anbau der eigenen Lebensmittel zu entwickeln. Klar ist, dass Solawi-Vereine, die bundesweit derzeit an vielen Orten entstehen, nicht die wirtschaftlichen Probleme der Landwirtschaft lösen können. Aber sie sind ein Gegenentwurf zum Preisdiktat der großen Märkte, sie ermöglichen den Erhalt von nachhaltig bewirtschafteten Flächen in der Region und machen klar, was es braucht, um gute Lebensmittel zu produzieren.

Wissen, wie Nahrungsmittel entstehen

Das passt ganz zu Elmar Schulte-Tigges Idee vom Lernbauernhof. Denn der Diplom-Geograph und Bauernhofpädagoge hat aus dem elterlichen Hof einen Ort gemacht, wo Kinder erleben, wie ihre Nahrung entsteht und mit welchem Einsatz das verbunden ist. „Nur so kann man den Wert von Nahrung beurteilen und die entsprechende Wertschätzung entwickeln. Und ganz nebenbei lernen die Kinder durch die praktische Mitarbeit auf dem Hof und den Umgang auch mit den Tieren alles das, was man an Fertigkeiten und sozialem Verhalten fürs Leben gut gebrauchen kann“, beschreibt Schulte-Tigges sein Konzept. Das Angebot kommt an: Kindergarten- und Schulgruppen kommen regelmäßig, die Ferienfreizeiten sind ausgebucht und Thementag und Jahreskurse finden sowohl bei Kindern als auch bei Jugendlichen großen Anklang. Viel wirft das nicht ab, aber in Kombination mit der Solawi erhält es einen Hof in Familienbesitz und eine vielfältig genutzte landwirtschaftliche Fläche.

Artikel vom: 16.08.2017


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