Die Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN & Volt und Die Linke & Tierschutzpartei im Ausschuss für Mobilität, Infrastruktur und Grün bitten um Beratung und Beschlussfassung des folgenden Antrags:
Die Verwaltung wird beauftragt,
- ein Konzept zur schrittweisen Einführung einer dynamischen, verkehrsaufkommensabhängigen und multimodalen Steuerung von Lichtsignalanlagen (LSA) nach aktuellem Stand der Technik vorzulegen und umzusetzen;
- die bereits eingeführten bzw. geplanten kameragestützten Detektionssysteme konsequent zur intelligenten Steuerung aller Verkehrsarten zu nutzen;
- dabei insbesondere folgende Ziele umzusetzen:
- deutliche Bevorzugung des Fuß- und Radverkehrs an geeigneten Knotenpunkten,
- Einführung bzw. Ausbau intelligenter Bus- und Stadtbahnvorrangschaltungen,
- Reduzierung unnötiger Wartezeiten und Verlustzeiten durch verkehrsaufkommensgestützte Steuerung,
- Verbesserung der Verkehrssicherheit – etwa durch den Rückbau freier Rechtsabbieger
- Beschleunigung des Umweltverbunds,
- die Lichtsignalanlagen schrittweise zu adaptiven Systemen weiterzuentwickeln, die Verkehrsaufkommen in Echtzeit erfassen und situationsabhängig auf unterschiedliche Verkehrsbelastungen reagieren können;
- bei Neuerrichtungen und grundlegenden Modernisierungen von Lichtsignalanlagen grundsätzlich die technische Voraussetzung für adaptive Steuerungen, multimodale Detektion sowie zukünftige C-ITS-Anwendungen vorzusehen (soweit nicht schon Verwaltungshandeln);
- die hierfür erforderlichen technischen Schnittstellen, Server-, Kommunikations- und Dateninfrastrukturen zu schaffen bzw. nachzurüsten, insbesondere:
- Schnittstellen zur Verkehrsrechnerzentrale,
- standardisierte OCIT-kompatible Kommunikationsstrukturen,
- Anbindungen an Verkehrsmodellierungs- und Simulationssoftware wie PTV-Vissim
- Echtzeitdaten-Schnittstellen für ÖPNV-Priorisierung,
- vorrangig Pilotkorridore mit hoher Bedeutung für den Umweltverbund umzusetzen, insbesondere auf:
- Velorouten,
- Fahrrad-Hauptrouten,
- Metrobus- und Stadtbahnachsen,
- Schulwegen,
- sowie an hochbelasteten Fußverkehrsachsen;
- dem AMIG innerhalb von zwölf Monaten einen Bericht mit
- Umsetzungsfahrplan,
- Priorisierungskonzept,
- Kostenrahmen,
- Fördermöglichkeiten,
- sowie einer Bewertung der verkehrlichen Wirkungen vorzulegen.
Begründung
Die Stadt Dortmund verfolgt mit dem Masterplan Mobilität 2030 ausdrücklich das Ziel, den Umweltverbund zu stärken, die Verkehrssicherheit zu erhöhen sowie die negativen Auswirkungen des Verkehrs zu reduzieren.
Zudem hat die Stadt in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich erste intelligente Systeme zur Radverkehrsbeschleunigung eingeführt. Kamerabasierte bzw. sensorbasierte Detektionssysteme erfassen dort Radfahrende frühzeitig und passen Grünphasen dynamisch an. Dadurch werden Wartezeiten reduziert und die Reisegeschwindigkeit des Radverkehrs erhöht. Zwischen 2020 und 2025 wurden bereits zahlreiche Lichtsignalanlagen entsprechend modernisiert.
Diese positiven Erfahrungen sollten nun systematisch weiterentwickelt und auf eine stadtweite, multimodale Verkehrssteuerung ausgeweitet werden.
Der bisherige Betrieb vieler Lichtsignalanlagen basiert weiterhin überwiegend auf statischen Schaltungen und klassischen Umlaufzeiten. Moderne adaptive Systeme ermöglichen dagegen eine flexible und situationsabhängige Steuerung in Echtzeit. Verkehrsströme können heute mittels Kameratechnik, Wärmebildsensorik, Induktionsschleifen, ÖPNV-Echtzeitdaten sowie weiterer Sensorik präzise erfasst und intelligent verarbeitet werden.
Dadurch können unter anderem:
- Fußgängerquerungen schneller freigegeben (bzw. unter Frühzeiterkennung des MIV auf Dauergrün gestellt werden),
- Grünzeiten flexibel verlängert,
- Radverkehr auf Velorouten beschleunigt,
- Busse und Stadtbahnen bevorrechtigt,
- Rückstaus reduziert,
- Konflikte minimiert
- sowie Emissionen und Lärmbelastungen gesenkt werden.
Gerade für den Fuß- und Radverkehr bestehen derzeit vielfach unnötige Wartezeiten an Lichtsignalanlagen. Fahrbahnen können für einige Personengruppen teilweise nicht in einer Phase überquert werden. Dies senkt die Attraktivität klimafreundlicher Mobilität und widerspricht den Zielsetzungen des Masterplans Mobilität sowie den städtischen Klimaschutzzielen.
Die zunehmende Modernisierung der Dortmunder LSA-Infrastruktur bietet die Chance, bereits jetzt die technischen Grundlagen für eine zukunftsfähige Verkehrssteuerung zu schaffen. Hierzu gehören insbesondere:
- adaptive Steuergeräte,
- leistungsfähige Server- und Datenstrukturen,
- standardisierte Kommunikationsprotokolle wie OCIT,
- Schnittstellen zwischen Verkehrsrechnerzentrale und PTV-Vissim-Modellen,
- ÖPNV-Echtzeitdatenintegration,
- sowie perspektivisch C-ITS-fähige Infrastruktur zur Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur.
Durch die Verknüpfung von Echtzeitdaten, Verkehrsmodellierung und intelligenter Signalsteuerung kann Dortmund die vorhandene Infrastruktur deutlich effizienter nutzen, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessern und die Mobilitätswende aktiv unterstützen.
Mit einer priorisierten Umsetzung auf wichtigen Achsen des Umweltverbunds kann Dortmund seine Vorreiterrolle bei intelligenter und klimafreundlicher Verkehrssteuerung weiter ausbauen.




