Die Fraktionen von SPD, CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN & Volt bitten um folgenden Beschluss:
Der Rat der Stadt Dortmund beschließt:
- Der Rat bekräftigt ein Jahr nach der Unterzeichnung der Städtepartnerschaft mit Schytomyr seine uneingeschränkte Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und insbesondere mit den Bürgerinnen und Bürgern unserer Partnerstadt Schytomyr angesichts des fortdauernden russischen Angriffskrieges.
- Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit den Akteur*innen der Städtepartnerschaft einen Bericht über den bisherigen Stand der Kooperationen sowie Perspektiven für deren Weiterentwicklung vorzulegen.
- Die Verwaltung wird beauftragt, bestehende und neue Kooperationen insbesondere in den Bereichen:
a) Wissenschaft und Hochschule,
b) Kultur,
c) Bildung und Jugendaustausch,
d) Gesundheitswesen,
e) Sport,
f) Klimaschutz und kommunale Daseinsvorsorge,
g) Mobilität und kommunale Infrastruktur
h) Wirtschaft
aktiv zu unterstützen und in geeigneter Weise weiterzuentwickeln.
4. Die Verwaltung wird gebeten zu prüfen, welche technisch geeigneten Fahrzeuge und Geräte der Stadt Dortmund sowie ihrer Beteiligungsgesellschaften perspektivisch für Hilfslieferungen nach Schytomyr zur Verfügung gestellt werden können. Zusätzlich soll die Stadt die Übergabe der folgenden städtischen Fahrzeuge aus dem Fahrzeugbestand vorbereiten und umsetzen:
– VW T5 Kastenwagen mit Werkstattausbau
– Daily Kasten mit Ausbau
– Vito Kastenwagen mit Werkstattausbau
– Mercedes Sprinter Doppelkabine Pritsche
– Crafter Doppelkabine mit Kipper
– Mercedes Sprinter Doppelkabine mit Kipper
– Mercedes Sprinter 4×4 Doppelkabine mit Pritsche
– Sprinter 513 CDI Kasten mit Werkstattausbau
– Sprinter 513 CDI Werkstattwagen
5. Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit den Dortmunder Verkehrsbetrieben, den städtischen Beteiligungen sowie zivilgesellschaftlichen Partnern weitere Möglichkeiten der Unterstützung kommunaler Infrastruktur in Schytomyr zu identifizieren.
6. Die Verwaltung wird gebeten, gemeinsam mit der ukrainischen Community in Dortmund, dem Verein Grenzenlose Wärme sowie weiteren zivilgesellschaftlichen Akteur*innen ein Konzept zur stärkeren Sichtbarkeit der Städtepartnerschaft im öffentlichen Raum zu entwickeln. Hierbei soll insbesondere geprüft werden, ob ein dauerhaftes Kunstwerk, Erinnerungs- oder Begegnungsort entstehen kann. Die Verwaltung wird aufgefordert, noch im 3. Quartal 2027 den Umsetzungsvorschlag für die einordnende Erklärung zum Platz von Rostow am Don und der dort befindlichen Bronzestatue „Kosakenpferde“ (Ducksache 35503- 24/1, beschlossen am 26.06.2024) vorzulegen.
7. Die Verwaltung wird beauftragt, den kulturellen Austausch zwischen beiden Städten zu intensivieren und insbesondere Möglichkeiten zu prüfen, kulturelle Einrichtungen und Ensembles aus Schytomyr für Gastspiele und Aufführungen in Dortmund einzuladen.
8. Die Verwaltung wird gebeten, bestehende Programme für Jugendbegegnungen und Erholungsaufenthalte von Kindern und Jugendlichen aus Schytomyr fortzuführen und auszubauen.
9. Diese Resolution wird ebenso dem Rat der Stadt Schytomyr zur Verfügung gestellt.
Begründung:
Am 9. Juli 2025 haben die Städte Dortmund und Schytomyr ihre Städtepartnerschaft im Dortmunder Rathaus offiziell besiegelt. Begleitet wurde die Unterzeichnung durch ein gemeinsames Konzert deutscher und ukrainischer Kinder und Jugendlicher. In diesem Moment wurde aus einer Solidaritätspartnerschaft, die unmittelbar nach dem russischen Angriff auf die Ukraine entstanden war, eine dauerhafte und lebendige Städtepartnerschaft.
Seit Beginn der Zusammenarbeit wurden zahlreiche Hilfslieferungen organisiert. Busse aus Dortmund sind heute im öffentlichen Nahverkehr Schytomyrs im Einsatz. Feuerwehrfahrzeuge, Generatoren, medizinische Ausstattung, Krankenhausbetten, Schulutensilien und weitere Hilfsgüter unterstützen die kommunale Infrastruktur unserer Partnerstadt.
Eine Delegation aus Vertreter*innen von Rat, Verwaltung und Zivilgesellschaft (TU Dortmund, FH Dortmund, Städtische Kliniken Dortmund, BVB) hatte im Juni 2026 die Gelegenheit, Schytomyr erneut zu besuchen. Die Reise machte deutlich, wie wichtig und wertvoll diese Städtepartnerschaft für beide Städte geworden ist.
Schytomyr ist eine vom Krieg gezeichnete Stadt. Auf dem Soldatenfriedhof ruhen inzwischen über tausend gefallene Verteidigerinnen und Verteidiger der Ukraine. Kinder müssen ihren Unterricht regelmäßig unterbrechen und Schutzräume aufsuchen. Sportvereine berichten von Trainingseinheiten, die sie unterbrechen, weil sie russische Drohnen am Himmel sichten.
Gleichzeitig beeindruckt Schytomyr durch seine Resilienz, seinen Mut und seinen Lebenswillen. Die Stadt ist lebendig, grün und kulturell vielfältig. Cafés, Kulturveranstaltungen, Straßenmusik, Konzerte und Tanzaufführungen prägen das öffentliche Leben. Trotz des Krieges arbeitet die Stadt weiter an ihrer Zukunft, an Klimaschutzmaßnahmen, an der Anpassung an den Klimawandel sowie an dem Ziel größerer Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern.
Die Delegation konnte erleben, wie konkrete Unterstützung aus Dortmund vor Ort wirkt. Gleichzeitig wurden neue Perspektiven für Kooperationen sichtbar. Dazu gehören insbesondere Gespräche über eine Zusammenarbeit zwischen der Fachhochschule Dortmund und Hochschulen in Schytomyr, eine Zusammenarbeit der Kliniken, weitere Kontakte zwischen Kulturinstitutionen sowie neue Projekte im Bereich Bildung und Jugendaustausch.
Die Städtepartnerschaft zeigt ihre Wirkung auch im Gesundheitsbereich. Zwischen dem Klinikum Dortmund und dem kommunalen Krankenhaus in Schytomyr besteht bereits ein fachlicher Austausch, der im Rahmen der bisherigen Delegationsreisen aufgebaut wurde. Während Krankenhäuser in der Ukraine seit Jahren unter den Bedingungen des Krieges arbeiten und regelmäßig auf die Versorgung von Verwundeten sowie die Folgen von Luftangriffen reagieren müssen, verfügt Dortmund über große Erfahrungen in der kommunalen Gesundheitsversorgung und medizinischen Ausbildung. Aus diesen Kooperationen entstand ein Austauschprogramm, in dessen Rahmen ukrainische Ärzt*innen für einige Zeit in unseren Kliniken praktizieren können. Die Fortführung und Vertiefung dieser Zusammenarbeit ist ein konkreter Ausdruck kommunaler Solidarität und gelebter europäischer Partnerschaft.
Besonders bewegend waren für uns die Berichte von Kindern und Jugendlichen aus Schytomyr, die nach Dortmund eingeladen wurden. Viele von ihnen haben Elternteile im Krieg verloren oder leben seit Jahren unter den Belastungen des Krieges. Die Möglichkeit, einige Zeit in Dortmund zu verbringen, hat ihnen Sicherheit, Hoffnung und wertvolle Erfahrungen gegeben. Diese Begegnungen stärken die jungen Menschen und die Freundschaft zwischen unseren Städten.
Von großer Bedeutung für die Städtepartnerschaft ist zudem das Engagement der ukrainischen Community in Dortmund sowie zahlreicher zivilgesellschaftlicher Initiativen, insbesondere des Vereins Grenzenlose Wärme. Ihr Einsatz hat maßgeblich dazu beigetragen, dass aus Solidarität konkrete Hilfe und aus Hilfe echte Partnerschaft geworden ist.
Städtepartnerschaften leben nicht von Urkunden, sondern von Begegnungen. Ein Jahr nach der offiziellen Unterzeichnung ist deshalb der richtige Zeitpunkt, die Partnerschaft weiter auszubauen, in der Stadt sichtbar zu machen und mit neuen Projekten zu füllen.
Gerade in Zeiten des Krieges sind kommunale Partnerschaften gelebte europäische Solidarität. Sie zeigen, dass Freundschaft, Zusammenarbeit und Menschlichkeit stärker sind als Gewalt und Zerstörung. Dortmund und Schytomyr sind heute mehr als Partnerstädte. Sie sind Freunde.



