Im Februar 2026 wurde der Abschlussbericht der bundesweiten InRa-Studie „Institutionen & Rassismus“ veröffentlicht. Die Studie untersucht erstmals umfassend rassistische Diskriminierung in staatlichen Institutionen und benennt dabei neben individuellen Faktoren insbesondere strukturelle und organisatorische Bedingungen als relevante Risikofaktoren. Untersucht wurden unter anderem kommunale Behörden, Jobcenter, Gesundheits- und Jugendämter sowie weitere Verwaltungsbereiche.
Die Studie beschreibt unter anderem hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck, fehlende Ressourcen, unzureichende Beschwerdestrukturen, mangelnde Sprachmittlung sowie große Ermessensspielräume als Faktoren, die diskriminierende Praktiken begünstigen können. Gleichzeitig wird betont, dass diskriminierungssensible Verwaltungsarbeit gute Arbeitsbedingungen, ausreichende personelle Ausstattung und funktionierende Unterstützungsstrukturen benötigt.
Vor diesem Hintergrund bitten wir die Verwaltung um eine Stellungnahme sowie um die Beantwortung der folgenden Fragen:
- Wie bewertet die Verwaltung die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen der InRa-Studie mit Blick auf kommunale Verwaltungseinheiten? Welche Schlussfolgerungen zieht die Verwaltung daraus für die Stadt Dortmund?
- Welche Fachbereiche, Ämter oder Einrichtungen der Stadtverwaltung werden aus Sicht der Verwaltung als besonders sensibel im Hinblick auf Diskriminierungsrisiken im Behördenkontakt bewertet?
- Über welche Beschwerde- oder Meldestrukturen verfügt die Stadt Dortmund derzeit für Bürger*innen, die rassistische Diskriminierung im Kontakt mit der Verwaltung erfahren? Werden diese Meldungen zentral dokumentiert und ausgewertet? Falls ja, durch welche Stelle? Inwiefern arbeitet die Stadt Dortmund auch mit externen Beschwerde- und Meldestrukturen zusammen?
- Wie viele Beschwerden, Meldungen oder dokumentierte Vorfälle wegen rassistischer Diskriminierung oder rassismusbezogener Benachteiligung gab es seit 2020 innerhalb der Stadtverwaltung beziehungsweise gegenüber Bürger*innen? In welchen Fachbereichen oder Aufgabenfeldern wurden diese Vorfälle jeweils erfasst?
- Welche Fortbildungs-, Sensibilisierungs- oder Antidiskriminierungsmaßnahmen bestehen derzeit für Beschäftigte mit intensivem Bürger*innenkontakt?
- Wie bewertet die Verwaltung die personelle und organisatorische Ausstattung besonders belasteter Leistungsbereiche mit intensivem Publikumsverkehr, insbesondere unter dem Gesichtspunkt von Wartezeiten für Kund*innen?
- In welchen Fachbereichen mit regelmäßigem Kontakt zu Bürger*innen wurden seit 2020 zusätzliche Personalbedarfe angemeldet, jedoch nicht oder nur teilweise genehmigt? Welche Gründe lagen jeweils für eine Nichtgenehmigung oder Teilgenehmigung vor?
- Welche Auswirkungen sieht die Verwaltung durch hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck oder Personalmangel auf die Qualität diskriminierungssensibler Verwaltungsarbeit?
- Inwiefern gibt es Auswertungen zu Wartezeiten, Fallzahlen oder Überlastungsanzeigen in besonders publikumsintensiven Bereichen?
- Welche Maßnahmen bestehen zur Unterstützung von Beschäftigten in konflikt- oder belastungsintensiven Bereichen?
- Welche Angebote bestehen zur Sprachmittlung, Übersetzung oder barrierearmen Kommunikation für Bürger*innen?
- Wie erklärt sich die Verwaltung den signifikanten Anstieg von Auszubildenden mit Zuwanderungsgeschichte von 33% im Jahr 2024 auf 48% im Jahr 2025 (vgl. Ausbildungsbericht 2025)? Inwiefern gab es hier gezielt Marketingmaßnahmen?
Wir bitten darum, die Stellungnahme ebenfalls dem Ausschuss für Personal, Organisation und Digitalisierung zur Verfügung zu stellen.
Begründung:
Die InRa-Studie macht deutlich, dass rassistische Diskriminierung in Behörden nicht allein als individuelles Fehlverhalten verstanden werden kann, sondern auch durch strukturelle Rahmenbedingungen beeinflusst wird. Dazu zählen insbesondere Arbeitsverdichtung, Zeitdruck, fehlende Ressourcen, unzureichende Unterstützungsstrukturen sowie organisatorische Defizite. Eine diskriminierungssensible Verwaltung benötigt daher nicht nur Sensibilisierung und Beschwerdestrukturen, sondern auch gute Arbeitsbedingungen und ausreichende personelle Ausstattung in publikumsintensiven Bereichen.
Vor diesem Hintergrund besteht ein erhebliches öffentliches Interesse daran, wie die Stadt Dortmund die Ergebnisse der Studie bewertet und welche Schlussfolgerungen sie daraus für Organisation, Personalpolitik und Verwaltungsmodernisierung zieht.






